Kadazan Hochzeit
Hochzeitsgebräuche der Kadazan von Sabah

by Herman (2001)

Kadazan Hochzeiten in Penampang

Es ist noch gar nicht so lange her wie die Kadazan für ihre Kinder die Partner aussuchten, und Hochzeiten waren im allgemeinen eine sehr einfache Angelegenheit. Gundohing Dousia, der 6. direkte Nachkomme des legendären Kadazan Kriegers und Kopfjägers Monsopiad erinnert sich noch gut and die alten Zeiten. In unseren modernen Zeiten ist freie Partnerwahl das Übliche; etwas Anderes sich vorzustellen ist schwierig, und vielleicht einer der wenigsten verstandenen Bräuche. Aber in vielen Ländern rund um die Welt sind immer noch die Eltern für die Partnerwahl ihrer Kinder zuständing. “Wer bezahlte denn den Brautpreis wenn nicht der Vater?” Fragt Dousia. “Die Kinder hatten großen Respekt vor den Eltern,” fährt Dousia fort, “und sie waren ja auch total von ihnen abhänging. Wenn ein Junge, oder ein Mädchen, den Partner ihrer Wahl heiraten wollte, und die Eltern damit nicht einverstanden waren, dann hatten die Kinder das akzeptiert. Und ebend, wie wollte ein Junge den Brautpreis aufbringen, damals waren alle noch Zuhause beschäftigt, im Feld, und bei der Jagd? Damals konnte man nicht einfach in die Stadt, sich Geld verdienen, jemanden kennenlernen, und dann heiraten.”

Also haben sich die Eltern den Partner ausgesucht, und es war Brauch, daß die Eltern eines Jungen eine Familie mit heiratsfähigen Töchtern besuchte. Das heiratsfähige Alter für Männer war ab sechzehn, Mädchen wurden auch mal mit vierzehn schon verheiratet. Der Vater des jungen Mannes eröffnete die Verhandlungen ungefär so: “Ich habe einen kräftigen und guten Sohn der eine Frau braucht, und ich sehe, daß Ihr gute Töchter habt. Es wäre sehr genehm, wenn Ihr eine Eurer Töchter mit meinem Sohn vertraut.” Den Eltern des Mädchens wird eine gewisse Zeit zum Bedenken gegeben. Wenn ihnen die Familie nicht sehr bekannt ist werden sie das Haus des jungen Mannes besuchen um sich so ein besseres Bild ihres zukünftigen Schwiegersohnes machen. Dann wollen sie ja auch erfahren, ob die Familie, die um die Hand der Tochter anhält, den nopung, den Brautpreis aufbringen kann.

Wenn die Eltern der Tochter dem Vorschlag zustimmen werden ihnen die Eltern des zukünftigen Schwiegersohnes noch einmal einen Besuch abstatten, während welchem die Verlobung stattfindet. Der Besuch ist sehr wichtig, weil jetzt der Brautpreis verhandelt wird. Traditionel besteht der nopung aus fünfzehn Wasserbüffeln, zehn antiken bronze Kanonen, drei große und alte chinesische Steinguttöpfe oder Vasen und ein bronze Gong. Außer den Wasserbüffeln sind all die anderen Zahlungsmittel begehrte Familienerbstücke. Natürlich werden die Eltern der Schwiegertochter einen höheren Preis verlangen als es der Brauch ist, und langes Verhandeln ist erwartete Tradition. Sollten die Eltern des jungen Mannes nicht verhandeln, sondern einfach bezahlen würden sie als Snob angeschaut. Sollten sie aber zuviel verhandeln, und versuchen einen besonders guten Preis für die Tochter zu erhalten, dann wundern sich Eltern der Schwiegertochter, ob sie überhaupt bezahlen können. Wenn der nopung schließlich festgelegt wurde, wurden die Bedingungen der Bezahlung verhandelt. So kann zum Beispiel erlassen werden, daß der Brautpreis über eine gewisse Zeit bezahlt wird, oder daß Büffel, Kanonen, Vasen und Gongs mit Geld ersetzt wird. “Damals haben wir zehn Ringgits für einen Büffel verlangt,” erklärt Dousia, “und eine Kanone war fünfzehn Ringgit. Aber das war eine lange Zeit her, heute sind zehn Ringgits mindestens tausend Ringgits!“ Alles kann mit Geld ersetzt werden, außer zwei Büffel, und das ist heute noch der Fall, denn man braucht die Büffel für den Hochzeitsschmaus.

Wenn nopung und Art der Bezahlung erledigt sind wird ein geigneter Tag für die Hochzeit ausgesucht. Es muß ein günstiger Tag ausgesucht werden, der den Brautleuten einen verheißenden Start ins neue Leben verspricht, und der Mondkalender spield dabei eine wichtige Rolle. Hochzeiten können jeder Zeit statfinden, außer in den Monaten März, wenn man die Friedhöfe und Gräber der Vorfahren besucht, und während des Fastenmonates der Bajau und anderen küstenlebenden Malay Gruppen. Die Kadazan hatten schon seit Menschengedenken Geschäfte mit der Malay Bevölkerung entlang der Küsten, und weil sie Freunde sind werden sie natürlich auch zu den Hochzeiten eingeladen. Während des Fastenmonates müßten die Malays die Einladung allerdings ablehnen. Um das zu verhindern werden einfach keine Hochzeiten während des Fastenmonates gehalten! Wenn die Verhandlungen erfolgreich abgeschlossen sind, von nopung bis zum Datum der Hochzeit wird Essen serviert. Am frühen Abend gehen die Eltern des zukünftigen Schwiegersohnes nach Hause, aber sie werden auch nach Omen ausschau halten. Wenn zum Beispiel einer der beiden Eltern Magenkrämpfe nach dem Essen hat, ein Hauspfosten splittert, ein Ast von einem Baum auf dem Heimweg fällt, dann muß das Datum für die Hochzeit sofort in neuen Verhandlungen geändert werden.

Im allgemeinen ist die Hochzeit einen Monat nach den Verhandlungen – wenn keine schlechte Omen auf dem Heimweg angetroffen wurden. In den meisten Fällen kennen sich Braut und Bräutigam bis jetzt noch nicht, allenfalls flüchtig vom Markt, oder gemeinschaftlicher Feldarbeit.

Ungefähr eine Woche vor der Hochzeit übernehmen es zwei Freunde oder Verwandte der Familien, die Nachbarschaft zum Fest einzuladen. Die eigentliche Hochzeit fängt früh am Morgen im Haus des Bräutigams an. Verwandte und Freunde versammeln sich zu einem verspäteten Frühstück, und gegen Mittag machen sie sich auf den Weg zum Haus der Braut. Der Bräutigam ist in sein bestes zeremonielles Gewand gegkleidet, mit Kopfjadschwert, und reich verziertem Turban. Freunde tragen den Nopung in der Mitte der kleinen Prozession, und viele der Teilnehmer bringen Gongs. Im Allgemeinen bleiben die Eltern des Bräutigams zu Hause.

Wenn sich die Prozession dem Haus der Braut nähert werden die Gongs im festlich-fröhlichen Sumazau Rythmus geschlagen. Bräutigam und Entourage werden ins Haus gelassen, wo der Nopung presentiert wird. Wenn alles stimmt wird Reis und Trinken serviert, und dann nimmt der Bräutigam seine Braut zu sich nach Hause. Diesemal bleiben oft die Eltern der Braut in ihrem Haus zurück, und beteiligen sich nicht weiter an der Hochzeitsfeier.

Unter dem donnernden Rythmus vieler Gongs geht die Prozession wieder zurück in das Haus des Bräutigams. Die Gongs können weithin gehört werden, und sind eine Einladung zur Hochzeit. Am Haus angekommen werden Braut und Bräutigam von einer älteren Frau, oft einer Bobohizan – einer Ritualspezialistin – aufgefordert, einen Fuß auf einen runden Stein am unteren Ende der Haustreppe zu machen. Wie das Paar so am Fuß der Treppe steht hält die Bobohizan konische Hüte über die Häupter der zu verheiratenden und spricht einige magisch-mzstische Inkantationen. Stein und Hut sind beides Symbole: der Stein bedeuted, daß die Vermählung lange halten soll, und der Hut reinigt und beschützt das Paar vor bösen Geistern am Hochzeitstag. Die kurze Inkantation ist dazu gedacht, die astrale Welt von der Vermählung zu informieren, daß alles mit rechten Dingen geschieht. Nach dieser kurzen Zeremonie darf Braut und Bräutigam ins Haus, gefolgt von all den Freunden und Verwandten. Im Haus werden die Frischvermählten in die Mitte gesetzt, Braut links vom Bräutigam. Manchmal werden sie auch sich gegenüber gesetzt. Sogleich wird Reis aus einem Wok serviert – nicht aus einem ordinären Kochtopf – damit das Paar immer genug Reis zum Essen hat. Braut und Bräutigam nehmen etwas Reis in die rechte Hand und kneten ihn zu einem Ball. Dann schiebt zuerst der Bräutigam seiner Braut den Reisball in den Mund, und dann die Braut. Das Paar kommt von verschiedenem Blut, aber jetzt sind sie eins. Des weiteren gibt es Hühnerkeulen in Suppe gekocht, denn der Bräutigam darf kein Büffel essen. Die hat er ja den Schwiegereltern gebracht um das Festessen zu machen, und es wäre nicht gute Sitte, davon zu essen. Außerdem, sollte er trotzdem Büffel an seinem Hochzeitstag essen, könnte es ja sein, daß das Paar nie Kinder haben wird.

Nach der symbolischen Vereinigung und Vermählung des Paares dürfen nun endlich auch die Verwandten und geladenen Gäste essen. Um dem Festschmaus zuzubereiten haben sich Verwandte von beiden Seiten zusammengetan und gemeinsam gekocht. Es ist offenes Haus, und je mehr an der Hochzeit teilnehmen, desto besser. Gäste brauchen nichts mitzubringen, aber sie müssen im Sumazau mittanzen, kräftig mitfeiern, essen, und trinken – und während einer Hochzeit fließt Reiswein eher reichlich!

Vor Nachteinfall müssen Braut und Bräutigam zurück ins Haus der Eltern der Braut, wo ein Zimmer für die Frischvermählten bereitgestellt wurde. Viele Gebräuche und Traditionen, sowohl auch Taboos müssen in dieser Nacht beachtet werden. Das Brautpaar darf nicht baden um nicht anfällig für böse Geister zu werden, oder das gute Glück, welches die Gäste mitbrachten, wegzuwaschen. Sie dürfen auch nicht aus dem Haus gehen, nicht einmal einen Fuß auf die Erde setzen. Sollten sie das tun könnten ihre Kinder mit Hautkrankheiten geboren werden, oder später im Leben ihre Eltern verlassen. Erst am nächsten Tag kann der Mann seine Frau zum Haus seiner Eltern zurückbringen, wo sie leben werden bis der junge Mann sein eigenes Haus fertig gebaut hat.

Drei Monate nach der Hochzeit ist es Gebrauch, daß der Mann seine Schwiegereltern besucht. Er bringt ein Schwein mit, welches zeremoniell geschlachtet wird, und dann von der ganzen Familie gegessen wird. Von diesem Zeitpunkt an sind alle der beiden Familien als blutsverwandt anerkannt.

ab

Seit Ende der Kolonialherrschaft hat sich viel im Leben der Kadazan – wie auch der anderen Stämme - in Sabah geändert. Eine der bedeutensten Änderungen ist wohl, daß sich junge Leute, Mädchen und Jungs, sich nun den Partner selbst aussuchen. Dazu sagt Dousia: „Nun, heutzutage haben die jungen Leute natürlich Geld. Sind die Eltern nicht mit der Wahl des Sohnes, oder der Tochter, einverstanden, dann wird geantwortet: wer bezahlt denn den Brautpreis...?“

Generell dauern Hochzeitsfeste nun zwei Tage. Am Samstag wird im Haus der Eltern der Braut angefangen, und am Sonntag geht es zum Haus des Bräutigams. Es wird immer noch für günsitge Tage für den Hochzeitstag gesucht, wobei der Chinesische Mondkalender gut gelegen kommt. Die Hochzeitszeremonie wird in einer Kirche gefeiert, wobei Westliche Kleidung – Mann schwarzer Anzug, Frau weißer Schleier- de rigeur ist. Aber ebend, wie gesagt, die Hochzeit fängt im Haus der Braut an, und das Paar übernachtet bei den Eltern der Braut, daran hat sich nichts geändert, ebensowenig wie an den zwei Büffeln, oder dem Konzept des offenen Hauses während der Hochzeit. Gongs werden immer noch geschlagen, aber nicht für die ganze dauer der Hochzeit, vielmehr sind es synthetische Klaviere und elektrische Gitarren, kopuliert mit Karaoke die der ganzen Nachbarschaft verraten, daß geheiratet wird. Und an der ganzen Festlichen Athmosphäre, daran hat sich seit Jahrhunderten nichts verändert: Hochzeiten sind nach wie vor ein ausgiebiges und festliches Gelage bei dem jeder Gast mehr als wilkommen ist, und es wird bis lange in die Nacht getanzt, gesungen, und getrunken. Vorallem getrunken. Und um nochmals auf den Brautpreis zurückzukommen: für eine junge Frau aus gutem Hause, mit höherer Ausbildung können manche Eltern so exorbitante Preise verlangen, daß es vielen Verehrern nicht möglich ist, sie zu heiraten. Wer sagt denn, daß die Kadazans keinen Einfluß auf ihre Kinder mehr haben...?


Nach einem Interview mit Gundohing Dousia Moujing, 6. direkter Nachkomme des berümten Kadazan Kriegers und Kopfjägers Monsopiad. 27/11/2001.


 


Bevor das Brautpaar ins Haus gehen kann...


...wird es von einer Bobohizan gesegnet.


Nach der kurzen Zeremonie beginnt das Fest!


Traditionelle Mitgift


Wasserbüffel spielen auch heute noch eine Wichtige Rolle in Hochzeiten!

 

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